Advertisement

Diverse Differenzordnungen in der postkolonialen Matrix – eine Suchbewegung

  • Katherine BraunEmail author
  • Yvonne Franke
Chapter
  • 64 Downloads
Part of the Erlebniswelten book series (ERLEB)

Zusammenfassung

Die Situiertheit von Wissen und der subjektive Sinn von Beforschten wurde in den vergangenen Jahren sowohl in der sozialwissenschaftlich-interpretativen wie in der ethnographischen Forschung zunehmend bearbeitet. Auch im Feld der sich formierenden Diversitätsforschung spielt die Situiertheit von Forschenden wie Beforschten eine wichtige Rolle. Der Beitrag postuliert, dass eine Einordung des forschenden wie beforschten Subjektes nicht ohne Bezug zu ungleichheitsgenerierenden Differenzordnungen möglich ist. Als theoretischer Bezugspunkt werden hierzu Anregungen aus der Postkolonialen Theorie aufgegriffen und ausgelotet, inwiefern die Diskussion um diversity davon profitieren könnte. Die Konzeption des Subjektes als ein fragmentiertes, durch Mehrfachzugehörigkeiten definiertes, nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Am Beispiel der Begebenheiten um das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Jahre 2018 wird der Zusammenhang von Differenzordnungen, Ein- und Ausschlüssen, und damit der theoretischen Reichweite von Diversitätskonzeptionen kritisch beleuchtet.

Schlüsselwörter

Postkolonialität Diversität Differenzordnungen Interpretative Sozialforschung 

Literatur

  1. Ahmed, Sara. 2012. On being included. Racism and diversity in institutional life. Durham: Duke University Press.CrossRefGoogle Scholar
  2. Amann, Klaus, und Stefan Hirschauer. 1997. Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie, Hrsg. Klaus Amann und Stefan Hirschauer, 7–52. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  3. Asad, Talal. 1973. Anthropology and the colonial encounter. Amherst/New York: Humanity Books.Google Scholar
  4. Baer, Susanne. 2003. Recht auf Vielfalt. In Diversity management. Best practices im internationalen feld, Hrsg. Eszter Belinszki, Katrin Hansen, und Ursula Müller, 104–120. Münster: LIT. (Managing diversity, 2).Google Scholar
  5. Bhabha, Homi K. 2011. Die Verortung der Kultur, Unveränd. Nachdr. der 1 Aufl. Tübingen: Stauffenburg.Google Scholar
  6. Biele-Mefebue, Astrid, Elena Buck, und Yvonne Franke. 2018. Editorial zum Schwerpunktthema Diversität und Transdisziplinarität. Zeitschrift für Diversitätsforschung und -management 3 (2): 127–141.Google Scholar
  7. Braun, Katherine. 2016. Dekoloniale Perspektiven auf Alltagspraktiken bolivianischer Migrantinnen zwischen Santa Cruz de la Sierra und Genf. Feministische Studien 34 (2): 207–225.CrossRefGoogle Scholar
  8. Braun, Katherine, und Robert Matthies. 2017. Ökonomisierte Menschenrechte. Meritokratische Bürgerschaft am Beispiel des „Genfer Wegs“. Movements. Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung 3 (1): 31–49.Google Scholar
  9. Bührmann, Andrea D. 2018. Diversität. In: socialnet Lexikon. https://www.socialnet.de/lexikon/Diversitaet. Zugegriffen: 1. Okt. 2018.
  10. Castro-Gómez, Santiago. 2006. Aufklärung als kolonialer Diskurs. Humanwissenschaften und kreolische Kultur in Neu Granada am Ende des 18. Jahrhunderts. Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie im Fachbereich Neuere Philologie. In: Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/2152/CastroGomezSantiago.pdf. Zugegriffen: 2. Okt. 2018.
  11. Czollek, Leah Carola, Gudrun Perko, und Heike Weinbach. 2011. Radical Diversity im Zeichen von Social Justice Philosophische Grundlagen und praktische Umsetzung von Diversity in Institutionen. In Soziale (Un)Gerechtigkeit. Kritische Perspektiven auf Diversity, Intersektionalität und Antidiskriminierung, Hrsg. María do Mar Castro Varela und Nikita Dhawan, 260–276. Berlin: LIT.Google Scholar
  12. dpa. 2016. DFB-Chef zu Pegida-Äußerungen: „geschmacklose Anmerkungen“. In: Süddeutsche Zeitung. https://www.sueddeutsche.de/news/sport/fussball-dfb-chef-zu-pegida-aeusserungen-geschmacklose-anmerkungen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160525-99-69949. Zugegriffen: 1. Okt. 2018.
  13. dpa. 2018. Bierhoff gesteht Fehler im Umgang mit Mesut Özil ein. Erdogan-Affäre. In: Berliner Morgenpost. https://www.morgenpost.de/sport/fussball-wm/article214775031/Bierhoff-gesteht-Fehler-im-Umgang-mit-Mesut-Oezil-ein.html. Zugegriffen: 1. Okt. 2018.
  14. El-Mafaalani, Aladin. 2018. Das Integrationsparadox: Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Köln: Kiepenheuer&Witsch.Google Scholar
  15. Flick, Uwe. 2010. Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung, 3. Korr. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.Google Scholar
  16. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2018. Die Fotos und ihre Folgen. Özil, Gündogan und Erdogan. https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/die-fotos-von-oezil-und-guendogan-mit-erdogan-und-ihre-folgen-15703867.html. Zugegriffen: 17. März 2019.
  17. Fraser, Nancy. 2005. Reframing justice in a globalizing world. New Left Review 36:69–88.Google Scholar
  18. Garfinkel, Harold. 1967. Studies in ethnomethodology. Los Angeles: University of California Press.Google Scholar
  19. Glick-Schiller, Nina, und Georges Eugene Fouron. 2001. Georges woke up laughing. Long-Distance nationalism and the search for home. Durham: Duke University Press.CrossRefGoogle Scholar
  20. Haraway, Donna. 1995. Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  21. Hark, Sabine, und Johanna Hofbauer, Hrsg. 2018. Vermessene Räume, gespannte Beziehungen. Unternehmerische Universitäten und Geschlechterdynamiken. Berlin: Suhrkamp.Google Scholar
  22. Hitzler, Ronald. 1999. Welten erkunden: Soziologie als (eine Art) Ethnologie der eigenen Gesellschaft. Soziale Welt: Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis 50 (4): 473–482.Google Scholar
  23. Kalpaka, Annita, Nora Räthzel, und Klaus Weber, Hrsg. 2017. Rassismus. Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein. Texte kritische Psychologie 7. Hamburg: Argument.Google Scholar
  24. Kandola, Rajvinder, und Johanna Fullerton. 1998. Managing the mosaic: Diversity in action, 2. überarb. Aufl. London: Chartered Institute of Personnel & Development.Google Scholar
  25. Kaufmann, Margrit E. 2016. Hype um Diversity – cui bono? Diversity in Unternehmen und an Hochschulen – aus der Perspektive intersektioneller Diversity Studies. In Diversity trouble. Vielfalt – Gender – Gegenwartskultur, Hrsg. Peter C. Pohl und Hania Siebenpfeiffer, 83–101. Berlin: Kadmos.Google Scholar
  26. Kearney, Michael. 1986. From the invisible hand to visible feet: Anthropological studies of migration and development. Annual Review of Anthropology 15:331–361.CrossRefGoogle Scholar
  27. Klapeer, Christine. 2014. Intersektionalität statt ein verlegenes et cetera. Methodologische Impulse zum Umgang mit der Verwobenheit von ungleichheitsgenerierenden Kategorien. In Qualitative Methoden in der Entwicklungsforschung, Hrsg. Petra Dannecker und Birgit Englert, 55–74. Wien: Mandelbaumverlag.Google Scholar
  28. Knapp, Gudrun-Axeli. 2013. Zur Bestimmung und Abgrenzung von ‚Intersektionalität‘. Überlegungen zu Interferenzen von ‚Geschlecht‘, ‚Klasse‘ und anderen Kategorien sozialer Teilung. Erwägen Wissen Ethik 24 (3): 341–354.Google Scholar
  29. Krell, Gertraud. 2014. „Wahrheitsspiele“: Diversity versus oder inklusive Intersektionalität? Soziale Probleme 25(2):194–208. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-447974. Zugegriffen: 2. Okt. 2018.
  30. Lüders, Christian. 2004. Beobachten im Feld und Ethnographie. In Qualitative Forschung. Ein Handbuch, Hrsg. Uwe Flick, Ernst Kardorff, und Ines Steinke, 384–401. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.Google Scholar
  31. Marcus, George. 1995. Ethnography in/of the world system: The emergence of multi-sited ethnography. Annual Review of Anthropology 24:95–117.CrossRefGoogle Scholar
  32. Marcus, George, und James Clifford. 1986. Writing culture. The poetics and politics of ethnography. Berkeley: University of California Press.Google Scholar
  33. Marten, Eike. 2017. Genealogies and conceptual belonging. London: Routledge.Google Scholar
  34. Mecheril, Paul. 2008. ‚Diversity‘. Differenzordnungen und Modi ihrer Verknüpfung. http://www.migration-boell.de/web/diversity/48_1761.asp. Zugegriffen: 21. Mai 2019.
  35. Mecheril, Paul, und Bernhard Rigelsky. 2007. Nationaler Notstand, Ausländerdispositiv und die Ausländerpädagogik. In Jugend, Zugehörigkeit und Migration. Subjektpositionierung im Kontext von Jugendkultur, Ethnizitäts- und Geschlechterkonstruktionen, Hrsg. Christine Riegel und Geisen Thomas, 61–80. Wiesbaden: Rowohlt.Google Scholar
  36. Mezzadra, Sandro, und Brett Nielsen. 2013. Border as method, or the multiplication of labor. Social text book. Durham: Duke University Press.CrossRefGoogle Scholar
  37. Mintz, Sidney. 1985. Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers. Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  38. Ong, Aihwa. 2005. Flexible Staatsbürgerschaften. Die kulturelle Logik von Transnationalität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  39. Özil, Mesut. 2018. „Ich werde nicht länger der Sündenbock für Grindels Inkompetenz und Unfähigkeit sein“. In: Süddeutsche Zeitung. https://www.sueddeutsche.de/sport/oezils-erklaerung-im-wortlaut-ich-werde-nicht-laenger-der-suendenbock-fuer-grindels-inkompetenz-und-unfaehigkeit-sein-1.4065788. Zugegriffen: 1. Okt. 2018.
  40. Quijano, Aníbal. 2000. Kolonialität der Macht, Eurozentrismus und Lateinamerika. Mit einer Einleitung von Jens Kastner und Tom Waibel. Wien: Turia und Kant.Google Scholar
  41. Sauer, Martina. 2018. „Wer gut integriert ist, fühlt sich stärker diskriminiert“. In: Die Zeit. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-07/mesut-oezil-integration-deutschtuerken-diskriminierung.
  42. Şenocak, Zafer. 2018. Was habe ich mit Mesut Özil zu tun? Integration und Rassismus. In: Der Tagespiegel. https://www.tagesspiegel.de/kultur/integration-und-rassismus-was-habe-ich-mit-mesut-oezil-zu-tun/22839324.html. Zugegriffen: 17. März 2019.
  43. Star, Susan Leigh. 1991. The sociology of the invisibles. The primacy of work in the writings of Anselm Strauss. In Social Organization and Social Process: Essays in Honor of Anselm Strauss, Hrsg. David R. Maines, 265–285. New York: Aldine de Gruyter.Google Scholar
  44. Urry, John. 2003. Global complexity. Cambridge: Polity Press.Google Scholar
  45. ZDfm Zeitschrift für Diversitätsforschung und –management. 2018. Zum Verhältnis von Diversität und Intersektionalität – Heterogenität beobachten und gestalten 3 (1).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland
  2. 2.GöttingenDeutschland

Personalised recommendations