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Die CDU in den neunziger Jahren

Zurück zum Kanzlerwahlverein?
  • Markus Jox
  • Josef Schmid
Chapter

Zusammenfassung

Angesichts der jüngeren Entwicklungen in der CDU, die mit Schlagworten wie dramatische Wahlniederlage, Spendenskandal, Organisations- und Führungskrise beschrieben werden, ist ein neutraler Rückblick schwierig und die Differenz zur vergangenen Dekade erscheint enorm. Die analytische Zuspitzung unseres Beitrags auf die Frage des Kanzlerwahlvereins erhöht diesen Eindruck zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick — d.h. durch eine kritische Rekonstruktion des Konzepts „Kanzlerwahlverein“ — wird die Differenz freilich differenziert: Manches, was als Allmacht von Helmut Kohl gegolten hat, war wohl mehr Schein als Sein, und die „Kanzlerdämmerung“ (Der Spiegel) führte keineswegs zum Untergang der Union. Dies gilt umso mehr, als sich die 16-jährige Regentschaft Kohls, nimmt man die deutsche Einheit einmal aus, durch wenig Prägendes, durch kein politisches Großprojekt ausgezeichnet hat. Im Gegenteil: Die penetrante Normalität des „Amtsinhabers“ (Kirsch/Mackscheidt 1985) hat oft Anlass zu Kritik am Stil und an den Ergebnissen der Regierung Kohl gegeben (Unseld 1993). Insofern war der Gebrauch von politischer Macht in dieser Ara wohl eher negativ konnotiert — im Sinne von Politik-Verhinderung oder „Non-Decision“ (BachrachBaratz). Gleichwohl scheint Macht eine zentrale Kategorie zur Analyse der CDU in den neunziger Jahren zu sein und der Begriff Kanzlerwahlverein nimmt diesen Aspekt in besonderer Weise ernst.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2002

Authors and Affiliations

  • Markus Jox
  • Josef Schmid

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