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Deutscher Idealismus (IV): Friedrich Heinrich Jacobi

  • Jan Urbich
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Zusammenfassung

Die herausragende Bedeutung Friedrich Heinrich Jacobis (1743–1819) für die Entwicklung des Deutschen Idealismus ist bereits seit einigen Jahrzehnten erkannt und dementsprechend umfassend Gegenstand der Forschung geworden (vgl. schon Henrich 1992, 23– 31, 146–160, und zuletzt Sandkaulen 2019; Förster 2011, 87–109; Jaeschke/Sandkaulen 2004). Mindestens zwei Dimensionen dieser Vermittlerrolle Jacobis sind für eine Diskussion seiner ontologischen Thesen wesentlich: einmal die Kant-Kritik Jacobis, die systemrelevante Schwachpunkte in Kants theoretischer Philosophie auf präzise Weise offengelegt und so den spekulativen Entwürfen Hölderlins, Schellings und Hegels die Weiterentwicklung und Überwindung des kantischen Kritizismus, Subjektivismus und Transzendentalismus möglich gemacht hat (vgl. v. a. die Beylage: Ueber den Transscendentalen Idealismus in Jacobi 2004, 103–112; Sandkaulen 2007; Metz 2004; Hammacher 1969, 131–165). Zum anderen die Vermittlung der Ethik Spinozas in die zeitgenössische philosophische Diskussion bspw. im ›Pantheismusstreit‹ bzw. ›Spinozastreit‹ (vgl. dazu einführend Förster 2011, 90–100; Hammacher 1969, 49–94), wobei Jacobi Vermittlung und Kritik engführt: Spinozas Denken in Jacobis sehr spezifischer Rekonstruktion wird – gegen Spinozas umfassende Kritik noch durch Leibniz und Wolff, die ihn in den Augen der Zeitgenossen philosophisch zu einem »toten Hund« (Jacobi 2000, 33) gemacht hatte – als vollkommenstes Beispiel eines konsequenten rationalistischen Systems der Wirklichkeitsbeschreibung zugleich gewürdigt (und so in seinem Modellcharakter für idealistische Systementwürfe ausgezeichnet) wie auch kritisiert (indem gerade darin das Unzureichende eines nur auf begrifflichen Zusammenhängen basierenden Modells von Wirklichkeitsbeschreibung aufgezeigt wird).

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Authors and Affiliations

  • Jan Urbich
    • 1
  1. 1.LeipzigDeutschland

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